Freifunk im „Abschiebegewahrsam“

Seit dem 24. Oktober existiert auf dem Gelände des Hamburger Flughafens ein sog. „Abschiebegewahrsam“. Dort sollen Geflüchtete für max. vier Tage untergebracht werden, deren Asylantrag abgelehnt wurde und bei denen angenommen wird dass sie sich einer Abschiebung widersetzen werden.

Die Innenbehörde hatte Freifunk angefragt, ob wir die Versorgung der Unterbringung mit WLAN übernehmen würden. Da uns bewußt ist, wie kritisch diese Einrichtung von vielen gesehen wird, haben wir auf zwei Plenumssitzungen über das Für und Wider diskutiert. Zusätzlich wurden Flüchtlingsinitiativen und Bürgerschaftsabgeordnete um ihre Bewertung gebeten.

Nach Abwägung aller Argumente haben wir uns entschlossen, uns zu engagieren. Wir meinen, dass es für die Geflüchteten gerade in dieser Situation besonders wichtig ist auf eine freie Kommunikationsmöglichkeit zurückgreifen zu können, um Informationen weitergeben und Absprachen treffen zu können. Kontakt mit Anwälten, Freunden und Verwandten und die Nutzung der Informationsmöglichkeiten im Internet sollte problemlos möglich sein. Ohne Freifunk würde es wahrscheinlich keinen Internetzugang für die Betroffenen geben. Gleichzeitig hoffen wir, dass – im Gegensatz zu allen anderen Orten – unser Netz dort nur selten genutzt wird.

Die installierte Technik wurde von der Stadt bezahlt.

http://www.zeit.de/hamburg/politik-wirtschaft/2016-10/abschiebegewahrsam-fluechtlinge-hamburg

Freifunk in der ZEA Oktaviostraße

Seit Mitte Oktober gibt es in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in der Oktaviostraße bereits Freifunk. Drei Freifunker aus Wandsbek haben sich damals auf der Mailingliste zusammengefunden und das Projekt in Angriff genommen.

Nachdem ein großartiger Uplink auf der anderen Straßenseite gefunden war, wurde die erste Technik aufgebaut und schnell zeigte sich: ein einziger TP-Link TL-WR1043ND reicht definitiv nicht aus und passives PoE über 80 Meter ungeschirmtes Kabel .. kann man machen, lässt man aber lieber sein.

Mit großartiger Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer von fördern & wohnen vor Ort und finanzieller Unterstützung von der Lawaetz-Stiftung über einen glücklichen, zufälligen Kontakt, konnten wir vor nun knapp zwei Wochen die ‚dritte Iteration‘ aufbauen:

zea-oktavio: WiFi Tonne
Eine gespendete Kanu-Tonne als Zentrum der Freifunk-Installation

Nun bilden zwei NanoStation locoM5 ein Richtfunkverbindung zum Uplink und in der Einrichtung funken zwei NanoStation locoM2 zusammen mit dem anfänglichen TL-WR1043ND in einer Spelsberg Box. Die Abdeckung hat sich schlagartig verbessert, das Netz ist insgesamt deutlich stabiler und die Menge der durchgesetzten Daten hat auch schon einen deutlichen Sprung gemacht. Seit dem letzten Reboot am 12. Dezember wurde innerhalb von 10 Tagen bereits 1 TB von den Clients empfangen.

zea-oktavio: Mesh Netz
Mesh auf der Knotenkarte
zea-oktavio: verbesserter Durchsatz
Statistik für den Dezember

 

 

 

Das Netz wird also gut genutzt und die Bewohner und Helfer zeigten sich auf vielerlei Art dankbar. Immer wieder bekamen wir zu hören, wie glücklich die Bewohner seien einfach mal wieder mit der Heimat Kontakt zu haben. Die Kinder waren sichtlich begeistert, dass sie sich nun einfach mal gemeinsam unterhalten lassen konnten. Und auch den ehrenamtlichen Helfern, die täglich vor Ort sind, wird damit die Arbeit deutlich erleichtert.

Einen Wiki-Eintrag mit weiteren technischen Details gibt’s hier.